Rahmenprogramm 2007

15. Festival für Video und Film | 22. - 25. November 2007

 

Samstag, 24. November 17.00 – 19.30 Uhr

Das Ruhrgebiet gibt es nicht! Zur Konstruktion einer Region.

Podiumsdiskussion mit Dieter Gorny, Petra Schmitz, Dietrich Leder und Holger Majchrzak

Moderation: Peter Ortmann

 „Du bist Deutschland“

und wohnst Du an der Ruhr, bist Du auch noch „das Ruhrgebiet“.

Eine Schlussfolgerung, wie sie vereinfachender nicht sein könnte. Denn, ebenso wie dieses „Deutschland“ zunehmend schwieriger Zugehörigkeiten klar definieren kann (reicht der „richtige“ Pass?), scheint dieses „Ruhrgebiet“ eine Fiktion zu sein. Ein Gebilde, dessen Grenzverläufe nicht nur durch Verwaltungsreformen in ihrer geografischen Lage Frage gestellt werden, sondern das vor allen Dingen über Konstruktionen von kollektiver Identität zusammengehalten wird.

Medien sind für diese Art der Identitätskonstruktion wichtig, da sie Orientierung liefern, Differenzen, Abgrenzungen erfahrbar machen. Sie liefern Ressourcen der Präsentation und Zuschreibung und können Attribute für die Konstitution von Identität anbieten.

Ein Festival wie blicke aus dem ruhrgebiet kann immer nur Ausschnitte dessen zeigen, was „das Ruhrgebiet“, also dieses „Du“, über „sich“ produziert.

Diese Auswahl trifft eine Festivalkommission, die aus zahlreichen Einsendungen diejenigen aussucht die in dem begrenzten Zeitraum des Festivals laufen können. Diese Auswahl treffen auch Fernsehredaktionen, die damit bestimmte Filme einem größeren Publikum zur „Archivierung“ anbieten. Diese Auswahl trifft auch eine Kommission, die über die Vergabe von Filmförderungen zu entscheiden hat.

Welches Bild des „Ruhrgebiets“ entsteht dadurch? Wie schafft es eine Auswahl von Bildern, einer Region fiktionale Grenzen aufzuzeigen? Kann es einem Projekt wie der Kulturhauptstadt 2010 gelingen, viele „Dus“ an der Konstruktion dieses „Ruhrgebiets“ zu beteiligen? 

 Prof. Dieter Gorny ist einer der künstlerischen Direktoren der Kulturhauptstadt 2010, zuständig für die „Stadt der Kreativität“; Petra Schmitz leitet die DFI / Dokumentarfilminitiative im Filmbüro NW und hat 2004 das Symposium ‚Endlich so wie überall? Neue dokumentarische Bilder des Ruhrgebiets’ veranstaltet;
Dietrich Leder ist Professor an der Kunsthochschule für Medien in Köln, Fächergruppe Fernsehen / Film, Holger Majchrzak arbeitet als freier Journalist. Peter Ortmann war Kulturchef der taznnrw.

Sonntag, 25. November – 11.00 – 13.00 Uhr

Emscherfrühstück

ONE MINUTE ONE RIVER

IM FLUSS DER MINUTEN

MINUTEN IM FLUSS

 In Kooperation mit der Emschergenossenschaft hatten 10 FilmemacherInnen aus dem Amateur- und Profibereich, die blicke aus dem ruhrgebiet mit ihren Beiträgen immer wieder geprägt und begleitet haben,  den Auftrag, in ihrem persönlichen Stil einen 1-minütigen Film über die Emscher und ihr Umland zu produzieren.

 Das Ergebnis ist eine facettenreiche und vielfältige Komposition:

10 Minuten Film

10 verschiedene Wahrnehmungen und Herangehensweisen

Inszeniert, dokumentarisch, als Essay, Experiment, Collage, etc.

 Im Zusammenbringen der einzelnen Minuten-Filme beginnt die Emscher und ihre Umgebung als Film-Form zu fließen.

Ein Mäandern, ein Fließen, wild, träge, ein Umspülen, ein Ausufern, ein Überschwemmen, aber immer zurückkehrend in das Flussbett der einen Minute.

 Die Beteiligten:

Robert Bosshard  Oberhausen

Martin Brand  Bochum

Walid Dost  Bochum

Daniel Hein  Dortmund

Ulrike Korbach  Dortmund

Uta und Fritz Netzeband  Mülheim

Andres Rump  Liège

Peter Simon  Köln

Britta Wandaogo  Köln

Frank Wierke  Unna

blicke aus dem ruhrgebiet und die Emschergenossenschaft laden dazu ein, mit den beteiligten FilmmeacherInnen zu One Minute – One River Bilanz zu ziehen und über zukünftige Möglichkeiten zum Film rund um die Emscher zu diskutieren.

Sonntag, 25. November – 15.00 – 17.00 Uhr

Experimentell

 Als Kunstform des Ausprobierens und Reflektierens ist Experimtentalfilm ( und Experimentalvideo) nach wie vor aktuelles und notwendiges audiovisuelles Labor.

 Intiuitiv erfindet Experimentalfilm neue Bildsprachen, lotet spielerisch-neugierig neu aufkommende technische Möglichkeiten aus und stellt eine Parallele zum konventionellen Spiel- und Dokumentarfilm dar.

 So zum Beispiel komponiert Stan Brakhage einen Film nur aus Farben: in MOTHLIGHT werden farbige Mottenflügel zum Protagonisten und das Licht zum rhythmusgebenden Element.

 Ohne jeden Schnitt konfrontiert uns Jaap Pieters in DE BLIKJESMAN für die Länge einer Filmspule mit der Unausweichlichkeit der Wirklichkeit.

 In HOMESTORIES montiert Matthias Müller herausgelöste Filmszenen klassischer Spielfilme zu einer neuen Dramaturgie und führt Konventionen des klassisch narrativen Films ad absurdum

 Mit den Mitteln der modernen Computeranimation erschafft Robert Seidel

in der Videoarbeit GRAU eine abstrakte Zeichnung, die sich in Raum,

Fläche und Zeit bewegt.

 Die Filmemacher Peter Simon  und Tobias Schmücking haben ein Filmprogramm zusammengestellt, in dem sich Werke bedeutender Experimentalfilmer genauso finden wie Geheimtips der Szene. Sie öffnen ein ungewöhnliches Fenster zum Experimentellen und stellen verschiedene Spielarten und Heransgehensweisen des Genres vor.

 Experimentell

 Ein Filmprogramm zusammengestellt von Tobias Schmücking und Peter Simon.

 1.   Stan Brakhage:  „MOTHLIGHT“

1963 / 16 mm / Farbe / Stumm / 4 min.

 2. Jan Peters: „13 OU 14“

2004 / Beta SP / Farbe / Ton / 22 min. 45

 3. Christina von Greve und C-Schulz: „Flicker“

2006 / 35 mm / Farbe, S/W / Ton / 10 min

 4. Jaap Pieters:  „DE BLIKJESMAN“

1991 / Super 8 / Farbe / Stumm / 3 min. 20

 5. Robert Seidel: „Grau“

2004 / Beta SP / Farbe, S/W / Ton / 10 min

 6. Nicky Hamlyn: „PENUMBRA“

2003/  16mm/ B&W/ Stumm/ 9 min

 7. Rosa Barba, „It’s gonna happen “

2005/ DVD/ Farbe/ Ton/ 3min