Rahmenprogramm 2008

16. Festival für Video und Film | 20. - 23. November 2008

 

Samstag 22.11. 2008 | 17.00 - 19.30 Uhr

DAS UNBEKANNTE AN ALLEM BEKANNTEN

Eine Annäherung an den Dokumentaristen Rainer Komers

 Von MICHAEL GIRKE

  Seit drei Jahrzehnten dreht der Regisseur Rainer Komers Dokumentationen über nahe und ferne Weltregionen. Geprägt ist sein Blick im und vom Ruhrgebiet, Dreherfahrungen in Alaska, Arabien, Indien, Japan, Lettland, bereicherten und sensibilisierten diesen Blick enorm. Das macht: In seinem Kino darf der Zuschauer sich als Entdecker fühlen, als Forschungsreisender ins Bekannte, dessen unbekannte Seiten sichtbar werden, mitunter gar dessen Unheimliches.

      In den letzten Jahren hat Komers seinen dokumentarischen Ansatz freundlich radikalisiert. Seine Filme bestehen durchweg aus in der Realität gefundenen Bildern, Geschichten, Formen gesellschaftlichen Zusammenspiels; sie sind zugleich hochintelligente, einfühlsame Montagen. Komers ist ein Sammler von Augenblicken, er bewertet nicht, er zeigt. Seine Filme sind buntscheckige Exoten, lassen Fernes näher und Nahes ferner rücken.

     Nicht allein als Regisseur und Kameramann wirkt Komers, er ist auch ein leidenschaftlicher Kinofan, ein kenntnisreicher Zuschauer. Zeit seines Lebens reflektiert er seine Arbeit wie die anderer Regisseure und damit das Filmmachen überhaupt. So hat Komers neulich das DFI Symposium zum Thema »Sprache und Sprechen im Film« in Köln initiiert, dort selbst vorgetragen. Es gilt also auch, diesen eigentümlichen Kinodenker aus Mühlheim in den Blick zu nehmen, genauer: die spezifisch Komer’sche Verschränkung von Sehen und Denken, von Formalismus und Moralismus - einen Widerstand gegen dominierende Haltungen in unserer Kultur, der sich im Medium der Bilder artikuliert. 

      Nur einige der aus dem Vorgehen dieses Regisseurs erwachsenden und zu klärenden Fragen: Hat Komers’ Augenblickssammeln mit hochmodernen Kinomitteln womöglich etwas zu tun mit einer der ältesten menschlichen Kulturtechniken, nämlich der Tätigkeit orientalischer Erzähler? Wie und was trägt die moderne Kunstform Film bei zur Erinnerungsbildung an den vergangenen wie gegenwärtigen Wirklichkeitsreichtum der Welt? Nicht zuletzt: Was am dokumentarischen Film mag der immer wieder einzigartigen Verbindung aus Wörtern, Sätzen, Silben entsprechen, welche Poesie heißt?

 

Michael Girke,

 Autor und Filmkritiker, lebt und arbeitet in Herford, schreibt u.a. für DEUTSCHLANDRADIO KULTUR, FILM-DIENST, FREITAG, KONKRET; guest appearances in Büchern, zuletzt: Klaus Theweleit, »Friendly Fire«; M.Baute/V.Pantenburg, »Minutentexte - The Night Of The Hunter«; Kerstin & Sandra Grether, »Madonna und wir«; Doris Kern, Sabine Nessel, »Unerhörte Erfahrung - Festschrift für Heide Schlüpmann«.

Samstag 22.11.2008 | 22.30 Uhr

Super 8 N8 die 8e und die wunderbare Welt des Stefan Möckel

  Und wieder rattern die Super 8 Projektoren, dazu gibt es Bier und Chips, Eierlikör und Salzstangen. Besucher und Besucherinnen bringen gefundene, selbst gedrehte oder geerbte Kurzfilme mit.

 Dieses Jahr ist Stefan Möckel („King of Trash“) aus Braunschweig unser Gast, zeigt einige Kurzfilme aus seinem umfangreichen Repertoire und füttert die Zuschauer häppchenweise mit

gespielten Witzen, Genreparodien und visualisierten Wortspielen.

Die wunderbare Welt des Stefan Möckel

Stefan Möckel („King of Trash“) zeigt einige Werke aus seinen umfangreichen Super 8 Oeuvres. Aus seinen 373 Super 8 Filmen, die er in den letzten 24 Jahren gedreht hat, wählt er einige für seine Show aus und füttert damit häppchenweise die Zuschauer.

Seine Kurzfilme reichen von gespielten Witzen über Genreparodien bis hin zu visualisierten Wortspielen.

Stefan Möckel wurde 1958 in Hessen geboren. Während seines Mathematik- und Sportstudiums lernte er den Super 8 Film kennen und lieben. Vom Film kann der Superachtfreak nicht leben und so verdient er sich sein Geld als Mathematik-, Musik- und Kunstlehrer an einer Realschule.

 Es lebe der Schmalfilm

Alles wird super

 Moderation

Wolfgang Kriener

Sonntag 23.11. 2008 | 17.00 - 19.30 Uhr

 (Kein) Filmstandort Ruhrgebiet

 Podiumsdiskussion mit Prof. Adolf Winkelmann, Susanne Ackers, Frank Wierke und Bernd Fesel.

Angefragt: Reinhard Krämer

 Die spektakuläre Umstrukturierung des Ruhrgebiets ist unter dem Schlagwort „Wandel durch Kultur“ in seine Geschichte eingegangen. Dokumentar- und Kurzfilme aus der Binnensicht heraus gedreht, haben diesen Prozess dokumentiert, begleitet und kommentiert und dabei auch den Blick in die Hinterhöfe der Region nicht gescheut. Gleichzeitig entdeckten Spielfilme das Ruhrgebiet als bizarre Kulisse, inszenieren es seitdem als Metapher (z.B. als „Tatort“ krimineller Handlungen, als Verkehrs-Knotenpunkt) und versuchten, ein Spektrum von Geschichten der darin lebenden 'modernen' Menschen zu erzählen.

 Die Anziehungskraft jedoch, die die Region in den 70er/80er Jahren auf renommierte DokumentarfilmerInnen aus ganz Deutschland hatte, begleitet von den Gründungen des Filmbüros und der bundesweit einmaligen Hochschulausbildung für Kamera an der Fachhochschule Dortmund, ist verblasst – der Kamerastudiengang gerade eingestellt.

 Wer heute Geschichten im Ruhrgebiet drehen will, ist mit einem Knotenpunkt konfrontiert, durch den alle Prozesse der Globalisierung laufen und sichtbar werden, mit einem riesigen Ballungsraum mit außerordentlicher Migrationsgeschichte, postindustrieller Ausstrahlung und Modellhaftigkeit – und mit einer Region, die sich darauf vorbereitet 2010 europäische Kulturhauptstadt zu sein. Für die Vielzahl an Prozessen, Geschichten, Identitäten, Lebensentwürfen und Sichtweisen, die hier vorzufinden sind, bleibt Film ein wichtiges Medium, um sie zu erzählen.

 Diese Geschichten im Fokus hatte immer wieder das Dortmunder Kamerastudium, ihre Präsentation und Diskussion garantieren kontinuierlich die in der Region ansässigen Filmfestivals. Nun wird es auch neue Orte geben: die Zukunft des Master-Studiengang für angewandten Digitalfilm hat an der FH bereits begonnen, im „Dortmunder U“ sind mit dem Institut für Bewegtbild-Studien und Raum für Medienkunst Stätten filmischer digitaler (Aus)Bildung geplant und wird der Channel Ruhr 2010 neue Abspielmöglichkeiten bieten.

 Um welche Ausrichtung des Films geht es an den neuen Orten? Gibt es dort ein Interesse am filmischen Erfassen des Ruhrgebiets, ein Gespür für die Einzigartigkeit und Welthaltigkeit der Region? Welche Möglichkeiten entstehen dort für FilmemacherInnen? Was bedeutet die Hinwendung der Film(aus)bildung zu wirtschaftlich attraktiven Anwendungsbereichen des Films?

Moderation: Jörg Biesler

Adolf Winkelmann / Dortmund: Filmregisseur, Filmproduzent und Professor für Film-Design; Susanne Ackers / Dortmund: geschäftsführende Leiterin des Hartware MedienKunstVereins; Frank Wierke / Unna, Filmemacher; Bernd Fesel / Köln: Büro für Kulturpolitik und Kulturwirtschaft, bis 2010 für die EU-Kulturhauptstadt RUHR.2010 GmbH im Team des künstlerischen Direktors Dieter Gorny beratend tätig. Reinhard Krämer / Düsseldorf: Staatskanzlei NRW. Kulturabteilung.
Jörg Biesler: Arbeit für diverse Tageszeitungen und Radiostationen, vorwiegend für den WDR - SCALA

 Eine Veranstaltung des Netzwerk Filmkultur NRW, Projektleitung: Gabi Hinderberger, Blicke aus dem Ruhrgebiet