Rahmenprogramm 2011

Samstag 26.11.
10:00 - 14:30

Busfahrt zum Museum Folkwang – Sabine Maria Schmidt führt durch die Ausstellung Communitas  von Aernout Mik

17.00 - 19:30 Folkwang zu Gast

Das im Entschwinden Erfasste - eine kurze Geschichte der Videokunst am Museum Folkwang

Anhand ausgewählter Beispiele der Videokunst, darunter eigene Produktionen des Folkwang Videostudios der 70er Jahre, präsentiert der Block die langsame Annäherung von Museum und bewegtem Bild. Im Zentrum des Programms steht die Frage, welche Herausforderungen das Erbe digitaler Kunst und die aktuelle Produktion bewegter Bilder an Sammlungsinstitutionen stellen.

Zu Beginn der 70er Jahre wurde im Museum Folkwang ein Videostudio eingerichtet, in dem Künstler experimentell und kostengünstig arbeiten konnten. Hier entstanden zahlreiche künstlerische Produktionen u.a. von Barbara Hammann, Klaus Osterwald, Rudolf Bonvie, Ulrike Rosenbach und Gerd Belz, von denen einige Ausschnitte vorgestellt werden. Das Studio wurde aber auch Angelpunkt zahlreicher Videoaktivitäten im Ruhrgebiet bis weit in die 80er Jahre.

Der Videovortrag präsentiert aber vor allem mehrere unterhaltsame Proben und Versuche, das neue Medium Video zu erobern und im Museumsbetrieb facettenreich einzusetzen. Tonproben bei Filmaufnahmen, Bildproben, Schriftsatz, Unterlegung von Sound – es gibt viele Hindernisse zu überwinden, um eine erfolgreiche Dokumentation zu erwirken. Video galt nicht nur als künstlerisches, sondern auch als Reproduktions- und Dokumentationsmedium, das zudem im museumspädagogischen Bereich entdeckt wurde. Thema des Programms ist auch die Archivierung der alten Videobänder und die vielen technischen und forschungsrelevanten Fragen, die mit ihnen verbunden sind.

Programm und Moderation: Sabine Maria Schmidt

 

 

Sonntag 27.11.

17:00 - 19:30

DIE ROTE COUCH – Das Werkstattgespräch bei „blicke“

 

„See you later, alligator“: Vorstadtkrokodile

 

D 2009 • 98 Min. • Regie & Buch: Christian Ditter • Drehbuch: Martin Ritzenhoff
Mit Nick Romeo Reimann, Fabian Halbig, Leonie Tepe, Maria Schrader, Jacob Matschenz u.a.

 

Zu Gast: Christian Ditter

Gesprächsleitung: Dirk Steinkühler

Der Wahl-Dortmunder Max von der Grün war eigentlich Bayer. Mit 25 kam er ins Ruhrgebiet und war zunächst Schlepper, dann Hauer auf Zeche Königsborn. Zweimal wurde der Bergmann verschüttet und musste schließlich nach einem weiteren schweren Arbeitsunfall zum Grubenlokomotivführer umschulen. Seine Erfahrung des Eingeschlossenseins unter Tage verarbeitete von der Grün 1962 in seinem ersten Roman „Männer in zweifacher Nacht“, ein Jahr später beschrieb er in „Irrlicht und Feuer“ die schlechten Arbeitsbedingungen der Kumpel in den Zechen. Auch bei seinem wohl bekanntesten Buch „Vorstadtkrokodile“ (1976) wusste der inzwischen erfolgreiche Autor, wovon er schrieb: er widmete es seinem behinderten Sohn Frank und warb für Toleranz und Integration. Die Vorstadtkrokodile sind eine Jugendbande, die Neumitglieder nur nach einer bestandenen Mutprobe aufnimmt. Dabei gerät der Aspirant Hannes auf dem Dach einer alten Ziegelei in Lebensgefahr. Nur durch das Eingreifen von Kai, der die Aktion per Fernrohr beobachtet und die Feuerwehr gerufen hat, kann Hannes gerettet werden. Auch Kai möchte zur Bande gehören – doch der Rolli-Fahrer ist für die Krokodile ein „Spasti“, der noch nicht einmal wegrennen kann, wenn’s brenzlig wird. Als Kai aber einen nächtlichen Einbruch beobachtet, wird er plötzlich interessant für die Clique, die die Verbrecherbande dingfest machen will.

 

Max von der Grüns Jugendbuchklassiker wurde 1977 erstmals fürs Fernsehen verfilmt – nach seinem Drehbuch und unter der Regie von Wolfgang Becker. 2009, vier Jahre nach dem Tod des Schriftstellers, verfilmte Christian Ditter die Geschichte erneut – diesmal für die Leinwand. Zwei Fortsetzungen folgten, die letzte kam Anfang dieses Jahres in die Kinos. Dort ist zwar noch der Geist der Vorlage zu spüren, doch versteht sich Teil 3 eher als modernes Actionkino für Kinder und Jugendliche. Die mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnete Neuverfilmung modernisiert die immer noch aktuelle Geschichte über soziale Problematiken – von der Ausgrenzung von Behinderten bis zu häuslicher Gewalt und Geldsorgen. Vor allem wurde bei der Figurenzeichnung und in der Sprache der sich in den letzten dreißig Jahren veränderten deutschen Gesellschaft vielfältig Rechnung getragen. Und noch etwas ist neu: Während zuvor nur deutsche Kinder Mitglieder der Vorstadtkrokodile waren, gehört jetzt auch ein Grieche zu der Ruhrpott-Bande. Das hätte von der Grün gefallen – dieses Jahr wäre er 85 Jahre alt geworden.

 

Dirk Steinkühler