Rahmenprogramm 2012

Samstag 24.11.
17:00 - 19:30

Wohin geht der Film?

Der Film hat das Kino verlassen, er erlebt eine radikale Transformation. Noch immer wird er auf schweren Rollen verschickt, gleichzeitig wird er jedoch auch über Sattelitenverbindung übertragen, legal und illegal über das Internet heruntergeladen oder auf einer raubkopierten DVD weitergegeben.

Film wird nicht mehr nur im Kinosaal projiziert:  Film läuft im Fernsehen, er findet in der Galerie und dem Museum statt, läuft auf dem Laptop oder dem Mobiltelefon. Wir schauen Film zuhause auf dem Sofa oder auf dem Bahnsteig stehend.

blicke fragt nach den veränderten Bedingungen des Films und seiner Zukunft. Wir diskutieren Orte des Films und seine Kontexte; eine veränderte Ästhetik, neue Formen der Rezeption, Produktion und Finanzierung – und nicht zuletzt die mögliche Rolle der Filmfestivals.

Wir freuen uns auf ein Gespräch mit den Gästen des Podiums und unserem Publikum - mit Filmliebhabern und Amateuren, Kino- und Filmemachern, Filmstudenten, Kritikern, you tube Aktivisten, Fans und Ruhrgebietspatrioten.

 

 

Auf dem Podium:

Lars Henrik Gass
ist Leiter der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen. Er lehrt zu Film und Kulturmanagement. Er ist Autor zahlreicher Kritiken, Essays und Vorträge zu Fotografie, Film und kulturpolitischen Themen und des 2012 erschienen Buches Film und Kunst nach dem Kino.

Fosco Dubini
ist Professor an der FH Dortmund, Studiengangsleiter MA Film. Von 1991-2006 war er Professeur d'atelier an der Kunsthochschule in Genf. Er ist Autor und Produzent von Spiel- und Dokumentarfilmen: "Die Reise nach Karfiristan", "Thomas Pynchon - A jouney in to the mind", "Jean Seberg - American Actress" und  "Die innere Zone"

Senta Siewert
ist Leiterin des DFG-Projekts zur performativen Praxis der Filmhistoriographie. Sie ist Mitglied des Living-Archive Projekts (Arsenal Berlin), des Forschernetzwerks Erfahrungsraum Kino, der Bochumer Werkstatt Filmbildung und hat an Dokumentarfilmen zu Musik und Popkultur für arte und 3Sat mitgewirkt.

Sonja Bernadette Weber
ist Medienkünstlerin und Dozentin. Jurymitglied des Banff World Media Festivals für interaktive Formate und visuelle Autorin Neuer Medien Exponate. Aktuell entwickelt sie die transmediale Spielwelt „Systemkicker“ und lehrt an Medienhochschulen in Köln, Berlin und Bonn Digitale Medien.

Moderation: Hilde Hoffmann
Kuratiert von Hilde Hoffmann und Gabi Hinderberger

 

 

DIE ROTE COUCH – Das Werkstattgespräch

„EmscherSkizzen“
2006 – 2010 / 97’

Regie / Kamera: Christoph Hübner
Ton / Montage: Gabriele Voss

Seit fast 40 Jahren machen Christoph Hübner und Gabriele Voss gemeinsam Filme über das Ruhrgebiet. Mit ihrem dokumentarischen Spielfilm Huckinger März über den spontanen Streik der Hüttenarbeiter von Mannesheim-Huckingen im Frühjahr 1973 fing alles an, mit ihrem ersten Mammut-Projekt Lebens-Geschichte des Bergarbeiters Alfons S. wurden sie Grimme-Preis-gekrönt bekannt. „Kurz mal hinschauen“ war nie ihre Sache, sie nahmen sich Zeit, hörten zu und fragten nach – einfach und direkt, aber nie aufdringlich. Ihre Arbeiten sind geprägt von dem spürbaren Interesse an ihrem Gegenüber, an dessen Situation und an der Umgegung, in der ihre Protagonisten leben.
„Wir wollten niemals zwischen dem Sujet und dem Zuschauer Barrieren errichten. Um das zu erreichen, muss man seinem Sujet zuhören, das Material immer wieder anschauen und dann eine Struktur finden, die dessen Charakter und nicht nur den eigenen Vorstellungen entspricht. Ein guter Dokumentarfilmer muss sensibel genug sein, um zu fragen: ‚Was erzählt es mir’? Nur dann kann man dem Zuschauer das, was man sieht, wirklich nahebringen.“ Christoph Hübner

Seit 2006 arbeiten die beiden Filmemacher an ihren „EmscherSkizzen“: dabei ist ihr Sujet – die Renaturierung der Emscher – ein ebenbürtiges Mammut-Projekt. 82 Kilometer Flusslandschaft werden neu gestaltet, die Emscher wird aus seinem Betonbett befreit und von Abwässern gereinigt. Hübner und Voss halten dabei die Arbeit an den Baustellen ebenso fest, wie den Alltag der Menschen, die am Fluss leben oder arbeiten. Entstanden sind kurze Momentaufnahmen, viele oftmals spontan mit der Kamera eingefangen.

Exklusiv für „blicke“ haben Christoph Hübner und Gabriele Voss aus 35 Kurzfilmen eine Auswahl zusammengestellt, die, in ihrer Zusammenstellung stimmig, in knapp 100 Minuten dem Flusslauf von Ost nach West folgt – eine Reise von Phoenix-West in Dortmund bis zur Emschermündung in Dinslaken:

Fluss mit Landschaft / Phoenix-West (Dortmund, 8’34’’), Emscherumbau (Dortmund / Bolmker Weg, 5’09’’), Archäologische Grabungen (Castrop-Rauxel / Ickern, 7’20’’), Baustelle Neuer Emscher-Durchlass (10/2009, Castrop-Rauxel, 7’13’’), Vom Emscher-Düker zum Schellenbruch-Graben (5’04’’), Geilmanns Feld (Castrop-Rauxel, 10’44’’), Bike & Skatepark (Recklinghausen, 4’03’’), Halde Hoheward (Herten, 9’03’’), Kanalbegehung (Schwarzbach / Essen, 14’12’’), Schweinebucht (Gelsenkirchen, 9’24’’), „Warten auf den Fluss“ – Mira (Gelsenkirchen, 6’20’’), Der Brachenthron (Oberhausen, 6’20’’), Emschermündung (Dinslaken, 3’27’’).