Rahmenprogramm 2014

Freitag 22.11.
19:30 – 21:00

 

DIE ROTE COUCH – Das Werkstattgespräch

Moderation: Dirk Steinkühler

S1 1913 60‘ Stummfilm mit Live-Musik
Regie: Urban Gad, Dänemark

Kamera: Karl Freund

Darsteller: Asta Nielsen, Siegwart Gruder, Charly Berger, Paul Meffert, Julius Sachs, Mary Scheller, u.a.

Gertrud, Tochter des Generals Von Hessendorf, überredet ihren Vater, sie auf einem Probeflug mit dem neuen Luftschiff mitzunehmen. Kurz darauf stürzt das Luftschiff ab, Pläne für das Nachfolgemodell entstehen. Gertrud ist heimlich verlobt mit dem Grafen Baldini. Der aber handelt im Interesse eines Agentenrings, für den er den neuen Aeroplan ausspionieren soll und benutzt seine Braut, um an die Pläne heranzukommen. Als Gertrud davon erfährt, muss sie sich zwischen Vaterlandsliebe und der Treue zu dem Geliebten entscheiden.

Es ist August 1913, als der Flugplatz Wanne-Herten von dem Filmstar Asta Nielsen Besuch erhält. Sie kommt zum Filmdreh des Spionage- und Liebesdramas „S 1“ ins Ruhrgebiet. Dabei entstehen vermutlich die ersten Flugaufnahmen vom Ruhrgebiet in der Geschichte des Deutschen Films. Bei der Fahrt mit dem Luftschiff „Charlotte“ lässt es sich die Filmdiva nicht nehmen, 500.000 Luftgrüße abzuwerfen, kleine weiße Zettel, die zum Besuch der Schauburg in Essen einladen. Dort wird am 22. November 1913 die Uraufführung des Films stattfinden. Sieben Monate später beginnt der Erste Weltkrieg, dessen Ausbruch vor 100 Jahren Deutschland nachhaltig verändern wird. Der Deutsche Film erlebte vor diesem Krieg eine heute weitgehend vergessene Blüte. Man geht davon aus, dass nur rund 20 Prozent der Filmproduktion aus den 1910er Jahren erhalten geblieben sind. Auch „S 1“ galt lange Zeit als verschollen, bis in den 1990er Jahren in Russland eine Kopie wiederentdeckt und restauriert wurde.

Im Deutschen Reich hatte sich seinerzeit die filmische „Kunst des Erzählens“ perfektioniert. Die Filme vermittelten Aufbrüche und Neuerungen auf der einen Seite, Tradition und Rückwärtsgewandtheit auf der anderen. In „S 1“ spiegelt sich die damalige Zeit, und das, was sich am Horizont abzeichnete, ganz besonders wieder. Alles dreht sich um Konstruktionspläne für ein gigantisches neues Luftschiff mit Namen „S 1“, das ein junger Ingenieur aus Kopenhagen entwickelt hat. Doch in den Mittelpunkt des Films drängt sich zunehmend die Liebesgeschichte zwischen Gertrud und dem Grafen Baldini. Es ist herzzerreißend anzuschauen, wie sich Asta Nielsen als Gertrud der Rolle annimmt. Kritiken bezeichnen ihr Mienenspiel als „vollendete Kunst“. Nielsen war unbestritten der erste große Star des europäischen Stummfilms, ja sogar der erste weibliche Filmstar überhaupt. Sie spielte in über 70 Filmen sowohl starke, selbstbewusste Frauen als auch leidende, gebrochene Figuren. Ihr Aufstieg zu Beginn der 1910er Jahre ist eng verbunden mit ihrem späteren Ehemann Urban Gad. Gad gehört zu einem der wichtigsten Regisseure im deutschen Kino vor dem Ersten Weltkrieg. Sein Drama „Afgrunden - Abgründe“, das 1910 zum internationalen Kassenschlager wurde, markiert den Beginn des Erfolgsgespanns Gad und Nielsen.

„S 1“ in einer restaurieren 35mm-Kopie der „Murnau“-Stiftung wird bei „blicke“ erstmals vom Streicherquartett „DASKwartett“ begleitet.

 

 

DASKwartett

Sabine Rau (Violine), Radek Stawarz (Viola), Beate Wolff (Violoncello) und Antje Vetter (Violine) präsentieren Eigenkompositionen, in denen sich Jazz und zeitgenössische Klassik mit Pop- und Folkelementen mischen. Im Anschluss an die Vorführung berichten über ihre Erarbeitung dieser außergewöhnlichen Stummfilmbegleitung.

 

 

Samstag 22.11.
17:00 – 19:00

Fachhochschule Dortmund, University of Applied Sciences and Arts, trifft Folkwang Universität der Künste Essen

Beide Hochschulen zeigen in einer ca. 90-minütigen Vorstellungen die Arbeiten ihrer Studierenden. Im anschließenden Gespräch mit dem Publikum stellen sie ihre Standpunkte und ihre Visionen vor:

Die Möglichkeiten in NRW ein Studium zu beginnen, das sich um bewegte Bilder oder Sound dreht sind vielfältiger geworden. Ein Modell einer klassischen Filmhochschule wie in Bayern oder Baden Württemberg gibt es nicht.

Worin unterscheiden sich die Ausbildungen? Wie schafft es beispielsweise die Fachhochschule Dortmund eine grundständige Ausbildung zu organisieren und gleichzeitig ein Alleinstellungsmerkmal im Kampf um Studierende herzustellen. Und welchen Stellenwert hat der künstlerische Forschungsansatz der Folkwang Universität der Künste im Umgang mit dem Bewegtbild. Vor welche Herausforderung werden die Studierenden beider Hochschulen im Anschluss an ihr Studium gestellt?

Wie sehen auf dem freien Markt oder im Kunstkontext die Felder zur weiteren Professionalisierung aus? Die Fragen nach der Zukunft des Bewegtbildes, des Kinos, nach der Zukunft des Fernsehens, nach der Zukunft von Festivals und nach der Zukunft des Internets sind bei diesen Themen auch zu stellen.

Filme bzw. Filmausschnitte zeigen 

Folkwang Universität: Amy Chapman, Raphael Dau, Lukas Faller, Sara Hoffmann, Paul Masukowitz, Ben Mönks, Cornelius Mücke, Nils Reuter, Hella Schneider / Lara Steinemann, Pitt Wenninger

Fachhochschule Dortmund: Dirk Rosenlöcher, Simon Busch, David Wesemann, Johanna Klinger, Manuel Krusy

Moderation: Dirk Steinkühler