„Jahr für Jahr sehen wir sie gern, die ‚blicke aus dem ruhrgebiet‘ im Kino Endstation in Langendreer, die auch der kleinsten Filmproduktion aus dem Revier ein beachtliches Forum bieten.“
(Sven Westernströer in der WAZ BO, 29.11.2004)
blicke aus dem ruhrgebiet präsentiert als regionales Festival Filme von FilmemacherInnen aus der Region oder über die Region des Ruhrgebiets. Dieser zweifache lokale Bezug bestimmt das Profil des Festivals und damit den Rahmen für Austausch, Konfrontation und Auseinandersetzung. Innerhalb dieses Rahmens aber gewährt das Festival größtmögliche Freiheit: weder Form, noch Genre, weder Länge noch ästhetischer Zugang sind vorgeschrieben – und auch das bestimmt das Profil von blicke aus dem ruhrgebiet, das von der Eigenständigkeit und Originalität der eingereichten Produktionen lebt und diese fördern will.
Regionalbezug heißt räumliche Nähe. blicke aus dem ruhrgebiet will ein Ort sein, an dem sich die Blicke, die von der Region in die Welt geworfen werden mit denjenigen kreuzen, die von der Welt auf die Region fallen. An dem sich Dokumente des Hier-Lebens verschränken mit der bewussten Thematisierung des „Ruhrgebiets“ als Raum bestimmter Ideen, Geschichten und Projektionen. Das Festival-Forum lebt vom breiten Spektrum der Aussagen, und besonders die FilmemacherInnen, die einen Blick jenseits des scheinbar Bekannten und losgelöst von stereotypen und konventionellen Arbeitsweisen wagen, haben hier die Möglichkeit, öffentliche Aufmerksamkeit zu finden, gezeigt, diskutiert und konfrontiert zu werden, ohne konzeptionelle Kompromisse eingehen zu müssen. Bei blicke aus dem ruhrgebiet treffen sich daher zwangsläufig Schräges und Klares, Kleines und Grosses, Etabliertes und Neues, professionell Ermöglichtes und autonom Gebasteltes, Super8 und 35mm, studentische Seminararbeit und ambitionierter Urlaubsfilm, die große Erzählung und der kleine Gedankenblitz.
Filmbilder des Ruhrgebiets gibt es schon seit 1899 (Dokumentation der Eröffnung des Dortmunder Hafens), damit fast so lange wie es Filme gibt. Dennoch machen die Bilder, die Jahr für Jahr bei blicke laufen, deutlich, dass die Art und Weise, wie die Region gesehen wird, einem konstanten Wandel unterliegen. Bilder aus den Zeiten des schlaglichtartigen öffentlichen Interesses am Ruhrgebiet hat Jede(r) im Kopf. Gerade diese widerspenstigen Assoziationen von durch Arbeitskämpfe und Strukturwandel geprägten Menschen und Landschaften aber stehen oft in erstaunlichem Widerspruch zu den auf Film und Video aufgezeichneten Eindrücken, aus denen blicke sein Programm zusammenstellt. Die dargestellte Region ist dicht besiedelt von Menschen und Geschichten. In ihren visualisierten Formen orientieren diese sich zwar durchaus oft am tradierten Bild des „Ruhrgebiets“ - meistens aber entstehen aus persönlichen Wahrnehmungen kleine prägnante Bildfragmente, aus denen jedes Jahr aufs neue ein aktualisiertes Bild von der Region zusammengesetzt werden kann.
blicke aus dem ruhrgebiet formuliert daher den programmatischen Regionalbezug als Frage: um welches Ruhrgebiet geht es heute? Denn der Bildspeicher, der durch die präsentierten und gesammelten Filme entsteht, kann nur jeweils einen Ausschnitt aus dem vielschichtigen, dynamischen, in ständigen Veränderungen begriffenen und vitalen Lebensraum Ruhrgebiet dokumentieren.
blicke aus dem ruhrgebiet ist ein jedes Jahr aufs Neue formuliertes Angebot zur Auseinandersetzung mit dem regionalen Bezug. Dieses ist insbesondere an NachwuchsautorInnen gerichtet, die durch das Festival die Möglichkeit erhalten, ihre ersten filmischen Verortungen auch ‚vor Ort‘ präsentieren zu können. Einige der gezeigten Produktionen haben in Bochum die Aufmerksamkeit von RedakteurInnen von Fernsehanstalten oder Veranstaltern anderer Festivals auf sich gezogen und konnten so eine noch breitere Öffentlichkeit finden. Aber auch bereits etablierte FilmemacherInnen aus der Region sind immer wieder daran interessiert, ihre jüngsten Produktionen und Experimente in Langendreer (erst)aufzuführen, weil hier die Projektionsnormen der Sendeanstalten nicht gelten und somit Raum ist für persönliche Aussagen. Während des Festivals versucht blicke, die anwesenden FilmemacherInnen in Kooperation mit dem Presseamt der Stadt Bochum auf spannende Drehorte in der Region hinzuweisen und bietet auch auf diese Weise Hilfestellungen und Anregungen zur filmischen Auseinandersetzung an.
Das heterogen zusammengestellte Auswahlteam des Festivals eint sein Interesse an ungewöhnlichen und eigenständigen filmischen Formen und Aussagen. Wenig Chancen haben Produktionen, die sich ohne ästhetisches Konzept nur auf eine Ausbreitung thematischer Anliegen beschränken, sich an zu konventionellen Ästhetiken orientieren, oder eine möglichst professionell wirkende Gestaltung ohne inhaltliche Ambition als Selbstzweck vorführen. Durch die Orientierung an Kriterien der Originalität und des Wagemuts ist es blicke aus dem ruhrgebiet möglich, Chancengleichheit in der Wahrnehmung und Würdigung von Filmen heterogenster Genres und Formate anzustreben, Produktionen von Amateuren wie Etablierten gleichwertig nebeneinander zu programmieren und (seit 2005) keinen Unterschied zu machen zwischen ‚frei‘ realisierten Projekten und Auftragsproduktionen.
Die Veranstalter des Festivals berufen hierfür eine unabhängige Jury, die unterschiedliche Medienkompetenz repräsentiert. Sie entscheidet eigenständig darüber, welche und wie viele Filme prämiert werden, wobei sie die Kriterien für die Vergabe im Verlauf des Festivals und angesichts des spezifischen Spektrums der Filme des jeweiligen Jahrgangs selbst ausarbeiten muss. Auch wird die Höhe der Dotierung – innerhalb eines festgelegten Rahmens – von der Jury allein bestimmt.
Neben dem Wettbewerb finden während des viertägigen Festivals verschiedene Extraveranstaltungen statt, in denen medienpolitischen Themen und filmanalytische Fragestellungen analysiert, Werke renommierter FilmemacherInnen vorgestellt, der interregionale Blick auf vergleichbare europäische Regionen gerichtet oder (wie seit 2003) die Lust am Super8-Format gefeiert wird. Auch hier wird das Ruhrgebiet nicht nur als Ort oder Thema der filmischen Produktion in den Blickpunkt gerückt, sondern soll seine (Re-)Konstruktion im filmischen Medium, sein Erfassen durch einzelne persönliche künstlerische Entwürfe und die besonderen Rahmenbedingungen seiner filmischen Repräsentationen in verschiedenen Perspektiven vertieft werden.
Da die im Rahmen des Wettbewerbs präsentierte Auswahl der eingereichten Produktionen sich als eine von vielen möglichen versteht, wird während des Festivals eine Präsenzvideothek eingerichtet, die es den Besuchern ermöglicht, das Material selbst zu sichten, die Entscheidungen der Auswahlkommission zu überprüfen und sich ein eigenes Bild über die Einreichungen zu machen.
Grundsätzlich bemüht sich blicke aus dem ruhrgebiet, das ganze Jahr über auf die filmische Produktion der Region aufmerksam zu machen und Ausschnitte aus dem Festivalprogramm der letzten Jahre an unterschiedlichen Orten zu präsentieren. Darüber hinaus ist blicke ein aktiver Teil der vernetzten NRW-Festivalszene und mit diversen Projekten und Organisationen im kreativen Austausch, die ebenfalls die lokale Kultursubstanz ins Spiel der globalisierten Orientierungen einbringen wollen.
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Das Festival fand vom 23.-26. November 2006 statt!