Medienkunst 2016

CaseStudy/Ein Fallbeispiel

23. bis 27. November 2016

CaseStudy/Ein Fallbeispiel
Jana Kerima Stolzer und Susanne Hefti

"Mit dem Strukturwandel veränderte sich die Landschaft des Ruhrgebiets grundlegend. Auf alten Industriestandorten entstanden neue Projekte, Gewerbezweige und Wohnraum. Heute ist der Wandel hin zur Dienstleistungsstruktur weit fortgeschritten. Einschlägige Planungsbüros und Makler locken Investoren, Kundschaft und neue Mieter mit wohlklingenden Sätzen von weit her. Hier bleiben. Lebensraum als Bedürfnis. Visionen entstehen, Visionen gestalten. Wohnen als Traum, und doch ganz real. Gemeinsam mit allen Generationen, niemand geht verloren, ein Raum für Kommunikation. Modernste Architektur. Das Gebiet – besser: das Neubau-Gebiet – proklamiert als Idealstadt, als Ort des guten Lebens.
Saftig grüne Oasen inmitten glatter Oberflchen aus Beton und Granit, Leben am Wasser und dennoch zentral. Es geht um einen ideologischen Umbau, in dem Kultur nun zelebriert werden soll, das gute Leben, das sich lohnende Leben, am Reißbrett entworfen und hemdsärmelig umgesetzt von jenen, die das Sagen haben, eine genügend laute Stimme, oder zumindest das Geld, sich das eine oder andere mühelos zu organisieren.
Planung und Bau münden hier in der Destruktion des Bestehenden, in der Vereinleibung des Vergangenen, der Überspielung alter Siedlungen, ihrer Architektur, der Zechen, Brachen und Industrien, deren Historie nun allenfalls noch als romantisches Argument dafür dienen kann, hierher zu kommen, hier zu investieren. Und schließlich sind jene visionären Pläne zur Aufwertung, zur generellen Kulturalisierung, zum endlich Ankommen in der grünen, lebenswerten Mitte des Lebens – wie so oft – der Realität weit überlegen. Diese Orte sträuben sich gegen ihre neu zugewiesene, übergestülpte Identität. Problemviertel, Kriminalität, Drogenhandel, Müll, Kanadagänse, Dreck, Verwahrlosung, fehlendes Budget, Leerstand. Und die User? Wenn es den Usern gefällt, wird das Projekt zum Erfolg."

So Jana Kerima Stolzer und Susanne Heft in ihrer mulitmedialen Ausstellung, die während der Fesitvaltage zu sehen war.

Am Samstag, 26.Nov., führten sie persönlich durch die Ausstellung. Moderiert von Pierre Schwarzer setzten sich im Anschluss Stadtplaner, Architekten, Studierende der Medienwissenschaften an der Bochumer RUB sowie Filmemacher*innen und Publikum des Festivals ca. zwei Stunden mit den Thesen der Ausstellung angeregt auseinander

Jana Kerima Stolzer, 1989 in Kandel geboren. Seit 2013 an der Kunstakademie Münster, Klasse Aernout Mik. Von 2010 - 2015 studierte sie Fotografi (Bachelor of Arts mit Auszeichnung) an der Folkwang Universität der Künste Essen. Seit 2009 arbeitet sie als Freie Künstlerin.
Susanne Hefti, 1984 in Münsterlingen (Schweiz) geboren, lebt und arbeitet in
Zürich. Sie absovlivierte eine Banklehre, studierte Journalismus und Kommunikation an der ZHAW in Winterthur und arbeitete als Radiomacherin und Kommunikationsfachfrau. Von 2010 bis 2015 studierte sie Fotografie an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Seit 2015 Master of Fine Arts an der Zürcher Hochschule der Künste.
Pierre Schwarzer studierte in Berlin Publizistik und Psychologie. Gerade schreibt
er seine Masterarbeit in Philosophie in Witten („Fragmente digitaler Subjektivität“). Als Mitgründer von super_fime kuratiert er verschiedene Projekte zu Visualität und Gegenwart. Er lebt in Witten.