Blicke aus dem Ruhrgebiet
10 Festivaljahre - 10 Preisträger

So facettenreich das regionale Festival für Video und Film „blicke aus dem ruhrgebiet“ die letzten zehn Jahre war, so abwechslungsreich war auch dieses vierstündige Programm: Spielfilme, Dokumentationen und Experimente – manchmal beklemmend ernst, manchmal seltsam komisch, immer ungewöhnlich und spannend.

Zehn prämierte Filme und Videos, einige thematisieren das Ruhrgebiet andere etwas ganz anderes.

Aus den 59 Filmen, an die seit 1993 von den Festivaljurys und vom Publikum bei „blicke aus dem ruhrgebiet“ Preise vergeben wurden, wurde ein Sonderprogramm im Filmstudio auf Zollverein gezeigt.

Das Publikum erwartete ein breites Themenspektrum: die Filme handeln von Strukturwandel und Kiosken, von Alzheimer- und Drogenkranken, von der Vergänglichkeit der Liebe, von Brücken, die nur im Traum entstehen und von der Filmfinanzierung durch Raub und Mord.

 

Sonntag, 27.04.2003 von 15.00 bis 19.00 Uhr

Teil 01 des Programms
„Blicke aus dem Ruhrgebiet: 10 Festivaljahre – 10 Preisträger“

„Abriß“ (1993)
von Jörg Keweloh aus Essen – Dokumentation, 13 Minuten
Schwindelerregende Aussichten. Ein 120 Meter hohes Zechengebäude muss weg und kann nicht gesprengt werden. Eine Arbeit für Spezialisten.

„Den Affen töten“ (1994)
von Britta Petzold aus Köln und Dortmund – Dokumentation, 30 Minuten
Die „Platte“ am Dortmunder Hauptbahnhof: Einer der Lebensmittelpunkte des Bruders der Filmemacherin. Ein anderer: die Droge. Aber das ist eben nicht alles.

„Kleines orientalisches Gartenhaus“ (1990)
von Rüdiger Kalwa und Ortwin Horn aus Herne – Dokumentation, 15 Minuten
Mit der Super8-Kamera einer Bude auf die Pelle gerückt: Hier ist das Bier einfach kälter.

„Sonst ist alles beim Alten“ (1994)
von Bernd Terstegge aus Essen – Animation, 11 Minuten
Ein Koffer mit alten Fotografien aus dem Besitz des verstorbenen Großvaters verleitet den Enkel, den Bau einer Eisenbahnlinie nach Mazedonien zu rekonstruieren. Doch aus der Rekonstruktion wird eine Konstruktion.

„Independent“ (1999)
von Dirk Oetelshoven aus Remscheid – Spielfilm, 33 Minuten
Kleinkriminalität nach Drehbuch treibt eine Gruppe zu ihrem ersten großen Film. Pott Fiction.

Programmpause um 17.00 Uhr (ca. 15 Minuten)

Teil 02 des Programms
„ Der Tag, der in der Handtasche verschwand“ (1999)
von Marion Kainz aus Köln und Essen – Dokumentation, 30 Minuten
Frau Mauerhoff hat Alzheimer. Ihr sitzt die Angst im Nacken. Sie irrt durch Flure, sie will nach Hause. Ein irritierender Einblick in eine fremde Welt.

„Imbiss“ (2000)
von Martin Rehbock und Michael Stehle aus Bochum – Spielfilm, 8 Minuten
Ein Imbisswagen, eine Wohnung, der Vater mit seinem Sohn. Ein Miteinander an der Grenze zum Alleinsein – Fürsorge und Distanz zwischen Milchwetttrinken und alten „Bonanza“-Folgen.

„Phoenix.de" (2001)
von Marcus Greulich und Michael Ringelsiep aus Dortmund - Dokumentation, 36 Minuten
Hoesch Dortmund macht dicht. Ein Stahlkocher versucht, sich auf das ungewisse Morgen einzustellen und zwei Programmierer, ortsungebunden scheinen sich einer sicheren Zukunft gewiss. Kontraste.

„Passando“ (2002)
von Sebastian Pircher aus Bochum – Spielfilm, 6 Minuten
Eine Küche, ein Tisch und zwei Menschen. An diesem Ort lernen sie sich kennen. Vielleicht ist er nur auf der Durchreise und sie nur eine Gastgeberin auf Zeit. Alles verändert sich, alles ist vergänglich.

„E. Libuda“ (2002)
von Jörg Kidrowski aus Berlin – Dokumentation, 22 Minuten
Jörg Kidrowski nimmt erstmals die Filmkamera in die Hand um seine Mutter zu begleiten bei der Auflösung der Gelsenkirchener Wohnung seiner Großmutter. Erinnerung, Leere, Zärtlichkeit.


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