Preise und Jury Begründungen
18. blicke filmfestival des ruhrgebiets 2010

Ein Tag und eine Ewigkeit

2009 ı 25‘00‘‘ ı S 16mm ı SW ı Doku          
Anna Hepp, Köln
Schnitt: Anna Hepp, Gregor Theus

Der Film fotografiert die Langsamkeit des Tages, die Liebe zum Leben, das Loslassen und Abschied nehmen sowie das würdevolle Annehmen menschlicher Vergänglichkeit.

Produktion: Diplom an der KHM Köln

„Der Blicke Filmpreis 2010 geht zur Hälfte (750 EUR) an einen Film, der eine Begegnung zwischen zwei Generationen beschreibt: eine Begegnung auf Augenhöhe. Mit großer Klarheit und formaler Stringenz zeichnet die Filmemacherin ein Porträt ihrer Großmutter. Dabei konzentriert sie sich ganz auf Körper und Stimme: Auf einen Körper, dessen langsame Bewegungen eher Disziplin als Hinfälligkeit verraten, und eine Stimme, die mit Selbstbewusstsein von der Möglichkeit des eigenen Verstummens spricht. Mit ihrem Film Ein Tag und eine Ewigkeit gelingt es Anna Hepp, Teile eines Lebens im Bild festzuhalten, ohne sie damit je zu vereinnahmen.“

Sterne

2010 ı  80‘00‘‘ı  DV ı Farbe ı Doku
Frank Wierke, Unna

Cinéma direct. Ein Jahr mit „Die Sterne“, die Kultband der 90er Jahren. 2010 erscheint die neue Platte 24/7 und damit das neue Image der Band. Die Kamera verfolgt die Sterne hinter den Kulissen und zeigt, wo die Grenze zwischen Musik und Marketing liegt.

Produktion: Wierke Film in Zusammenarbeit mit ZDF/3sat"

Wie lebt man als Künstler, wenn man nicht nur für die Kunst lebt, sondern auch von der Kunst?Eine Frage, die nicht nur Musiker berührt.Mit den Mitteln des Direct Cinema begleitet Frank Wierke für uns die Hamburger Band Die Sterne, spürt Freude, aber auch Tristesse im Musikeralltag auf. Abseits des glorifizierenden Pop-Helden-Promotion-Films schafft er es so, einen unprätentiösen Film über eine unglamouröse Band zu filmen.  Trotz seiner Nähe zur Band und dem unverzichtbaren Vertrauen der Mitglieder zu ihm wird er nicht zu ihrem Komplizen, und ermöglicht uns teils intime, teils diskrete Einblicke, ohne uns zum Sympathisieren zu zwingen. Eine Hälfte des blicke Filmpreises (750 EUR) geht an: Sterne von Frank Wierke."

Silhouette

2010 ı 6‘00‘‘ı HD ı Farbe ı experimentell   
Astrid Busch, Dortmund             

Eine Einstellung. Eine Landschaft, die sich schwarz am Horizont abzeichnet. Umriss, Kontur, Schattenriss – eine Ahnung von ländlichem Treiben. Und Regen, der fällt. Eine fast romantische Momentaufnahme.

Produktion: Eigenmittel

"Die Szene ist vermeintlich vertraut – und doch rätselhaft. Die Tonspur scheint die erste Vermutung zu bestätigen: Geräusche aus einer friedlichen Landschaft, vielleicht früher Morgen, bevor alles in Bewegung kommt. Ein Spiel mit Bild und Ton, eine visuelle Reduktion, die der eigenen Phantasie Raum lässt, in die Irre führt und das Rätsel auch nicht auflöst – denn wo regnet es schon von unten nach oben? Die Jury des 18. „blicke. filmfestival des ruhrgebiets“ vergibt den Medienkunst Filmpreis RUHR (750 EUR) an Astrid Busch für ihre Arbeit 'Silhouette'."

Suivre Flaubert

2005-2009 ı 78‘00‘‘ı  DV ı Farbe ı Doku
Andres Rump, Köln

Mit Gustave Flaubert durch Korsika. Eine Reisebeschreibung aus dem 19. Jahrhundert, Fotografien von damals, Bilder von heute. Landschaften, Arbeit, Frauen vor einem Ofen, singende Männer. Annäherung und leise Melancholie.

Produktion: FH Dortmund

"Das Haus, es steht noch und auch die 3 Buchten scheinen so, wie vor 170 Jahren. Eine Landschaft, die sich seitdem kaum verändert hat, Menschen, die wahrhaftig Nachfahren ihrer Ahnen sind. Auf den Spuren des Schriftstellers Gustav Flaubert und mit den Worten des Dichters findet Andres Rump das Gestern im Heute, das Heute im Gestern und die Poesie der Stille und Langsamkeit, die uns ein konventioneller gemachter Film so nicht erschlossen hätte. Der Querdenkerpreis 2010 geht an: Suivre Flaubert, Flaubert folgen – wir folgten ihm gern."

Der Querdenkerpreis in Höhe von 600 EUR ist gestiftet vom Kinomagazin Trailer.

Geradeaus gelaufen ist keiner

2008/10 ı 89‘00‘‘ı HD Cam ı Farbe ı Doku
Kristina in der Schmitten, München

Kamera: Isabel Alvarez

Schnitt: Frank Behnke, K. in der Schmitten, Raimund Barthelmes

Produktion: Abschlussfilm an der HFF München. Koproduktion mit BR und WDR. FFF Bayern

20 Jahre Abitur, eine Rückkehr nach Recklinghausen und die Begegnung mit fünf ehemaligen Klassenkameraden. Die Überfliegerin, der Coole, der Theater-Star, der Klassenbeste und die Stille. Eine Überprüfung, ob das Leben gehalten hat, was die Zuschreibungen von einst versprochen haben.

Der Publikumspreis in Höhe von 300 EUR ist gestiftet vom Kulturzentrum Bahnhof Langendreer.

Powerful Punch

2010 ı 45‘00‘‘ ı  HDV ı  Farbe ı  Doku

Conny Beißler, Sabine Bernardi, Köln

Schnitt: Sonja Rigorth, Conny Beißler, Sabine Bernardi

Boxen ist ihr Leben. Drei junge Frauen in Indien erzählen von hartem Training, vom Siegen und Verlieren, von Wettkämpfen und ihrer Leidenschaft für einen Sport, der nicht unbedingt als „frauentypisch“ gilt.

Produktion: Diplomarbeit FH Dortmund, gefördert durch Filmstiftung NRW

"In der geschützten Parallelwelt eines indischen Sportinternats begleiten wir den Lebens- und Trainingsalltag einer Gruppe weiblicher Boxtalente. Diese Konstellation legt nahe, dass es sich bei diesem Film nicht um ein klassisches Sportlerporträt handelt. Vielmehr offenbaren sich an diesem Ort alle Hoffnungen, Verwerfungen und Widersprüche einer Frauengeneration im Wandel. Dem Film gelingt es, den  Zwiespalt der Protagonistinnen zwischen Selbstverwirklichung und pragmatischer Lebensplanung, familiärer Bindung und staatlicher Fürsorge, traditioneller Lebensweise und der Aussicht auf gesellschaftlichen Aufstieg eindrücklich ins Bild zu setzen. Der Schmelztiegel 2010 geht an Powerful Punch von Conny Beißler und Sabine Bernardi."

Der Schmelztiegelpreis in Höhe von 500 EUR ist gestiftet von TeData.