Preisträger und Jury Begründungen 2014

Dokumentarfilmpreis Ruhr

dotiert mit 1.500 EUR und gestiftet von der DSW21

Nadeshda
von Anna Frances Ewert und Falk Müller
Laudatio:
Nadeshda - Hoffnung. Ein Film, der sich unaufdringlich einem Ghetto der Roma in Bulgarien nähert und dabei insbesondere die Situation der Kinder in den Blick nimmt.
Tsveti, Zorka und Misha und ihre Familien träumen von einer Zukunft außerhalb des Ghettos, doch werden sie immer wieder mit der Realität konfrontiert. Der Film öffnet Türen in eine Welt, in der Armut und Ausgrenzung das Leben der Menschen bestimmen und zeigt fein und genau, wie Diskriminierung und Gewalt durch die Mehrheitsgesellschaft im Ghetto weiterwirkt. Doch er dokumentiert auch die Hoffnung der Kinder und ihrer Familien auf ein besseres Leben. All dies gelingt dem Film durch genaue Beobachtungen. So wird nicht nur  die Alltags- , Wohn- und Spielsituation der Kinder sondern auch die Straße und das Ghetto mit seinen Mauern nach innen und außen für uns sichtbar.

Fiktionsfilmpreis Ruhr

ebenfalls dotiert mit 1.500 EUR

Markasit von Nico Joana Weber
Die Universität Bochum aus neuen Blickwinkeln.

Laudatio:
In langen, statischen Einstellungen folgen wir einer aus der Zeit gefallenen Protagonistin durch Hörsäle, Bibliotheken und Labore; über leere Betontreppen und endlose Flure. Wir folgen ihr hinaus über begrünte Stufen und Plätze; über Betonlandschaften, die nach und nach von der Natur zurückerobert werden. Wir dringen tiefer ins umliegende Dickicht des Campus ein. Auf die abstrakten Strukturen der in die Jahre gekommenen Architektur der 60er folgen Wald und hügelige Wiesen. Die Stille und das Zirpen der Neonröhren werden ersetzt durch das Lärmen von Frosch und Grille. Unsere Protagonistin wird gelöst vom strengen Dutt, die offen-wehenden Haare von kupfer-glänzenden Markasiten durchsetzt. Sie reitet davon und gibt uns den Blick frei auf die Ferne: Wie ein Raumschiff liegt die Ruhr-Universität Bochum vor uns in der Landschaft. Konsequent bestimmt die Kamera den Rhythmus der Montage: Die Ruhe und Größe der Bilder öffnet dem Zuschauer einen Raum für eigene Gefühle und Interpretationen. Das macht die Kraft und Stärke dieses Filmes aus.

Preis für experimentelle Kunst und Animation Ruhr

dotiert mit 1.500 EUR

essen-stück mit aufblick
von Peter Böving

Laudatio:
Der Hauptdarsteller dieses Filmes ist ein Gedicht von Ernst Jandl: „essen - stück mit aufblick“.
Als Auftakt erscheint sein Text unterlegt mit krachender, rhythmisierender Schreibmaschinenmusik.
Danach wohnen Text und die daraus fantasierte Spielhandlung nebeneinander.
Links im Bild das jandelsche „zwei Buchstaben - ein Wort - Spektakel“, damit wir die rechtsseitige kriminalistische Aufklärung einer mörderischen Tat verfolgen können.

Die handelnden Subjekte sind zu übrigens zu 98% Legofiguren.
Die Schausprechenden dieser Figuren sind - grandios: skurril und auf den Punkt.

Und so geht sie los die wilde Fahrt. Ein Krimispektakel mit losgelassenem Personal zeigt eine Enthüllungsgeschichte von rasanter Heiterkeit. Jandl, ob tot oder lebendig, liebt diesen Film.

Querdenkerpreis

dotiert mit 600 EUR, gestiftet von Trailer

Das übersteigt die Vorstellungskraft  von Tom Briele

Laudatio:
Friede den Hütten, Krieg den Palästen bei Pommes mit Mayo für 2, 80 endet der besprochene Film bei Büchner. Drei alte Herren als Wutbürger führen uns durch den Film und stellen eine Verbindung zwischen Christos Verpackung des Gasometers in Oberhausen und dem daneben liegenden Konsumtempel ‚Cola Oase‘ her, was sich auch in der Montage des Filmes widerspiegelt. Wir begehen mit den genannten Herren den verhüllten Gasometer und sehen nur in der Entfernung begeisterte Kunstgenießer, während eine Schulklasse über Kunstzwang stöhnt und unsere Protagonisten über das Nichts reflektieren: das übersteige die Vorstellungskraft; dieser sterilisierte Präservativ eines Riesen.
Der Film stellt sich quer zur allgemeinen Christobegeisterung und  verweigert sich zugleich auch jeder bildlichen Ästhetik, in dem er zumeist die Perspektive von unten wählt und wir dem Pommes zuschauen, während dieser mit Mayo im Mund verschwindet. Dabei schrammt der Film auf der Eitelkeitsrille, ohne dies zu verstecken und ist doch witzig und hintersinnig. Wir verleihen ihm den Querdenkerpreis, denn wir finden, das kann nicht oft genug gesagt werden: "Friede den Hütten, Krieg den Palästen". Denn wo sie Recht haben, da haben sie Recht - diese alten Grantler.

Publikumspreis

dotiert mit 300 EUR, gesiftet vom Bahnhof Langendreer

Traumsequenz von Levan Tsintsadze

Die auf Super8 gedrehte kleine Geschichte über den ersten Liebeskummer eines kleinen Jungen, dessen Enttäuschung durch die begleitende Rachmaninoff Polka unterstrichen wird.