17.00 Uhr - 19.30 Uhr | (Kein) Filmstandort Ruhrgebiet
Podiumsdiskussion mit Adolf Winkelmann, Susanne Ackers,
Frank Wierke und Daniel Burkhardt
Moderation: Jörg Biesler

"Borsig subjektiv" von Gertrud Schweers, FH Dortmund
Die Bilder der imposanten Schwerindustrie des Ruhrgebiets stoßen, seit sie überregional im Umlauf sind, auf die Kritik derer, die der Welt zeigen möchten, dass das Ruhrgebiet besser ist als sein Ruf. Gerade aber die Einzigartigkeit der Region hatte mit ihrem spektakulären Strukturwandel magische Anziehungskraft auf viele Filmschaffende: Ab Mitte der 70er Jahre kommt mit „Die Abfahrer“ der erste Film aus Dortmund in die Kinos, seit 1981 wird der Schimanski-Tatort in Duisburg gedreht. Dokumentaristen aus ganz Deutschland verlegen ihren Wohnsitz ins Ruhrgebiet, mit Filmbüro NW und EDI (Europäisches Dokumentarfilminstitut) werden Strukturen für Filme über und für das Ruhrgebiet aufgebaut, der Studiengang Kamera an der FH Dortmund entsteht. Das Spektrum der Bilder und Geschichten reicht von der Chronik des schwerindustriellen Niedergangs bis zur bizarren Kulisse für Abenteuer- und Kriminalgeschichten. Die Filme bewegen, sich wie das Ruhrgebiet selbst, im Spannungsfeld zwischen altem Klischee und neuem Gesicht, der Blick in die Hinterhöfe bleibt umstritten.
Bilder des industriellen Reviers und etliche filmkulturellen Strukturen sind jetzt verblasst, das Kamerastudium nach Köln verlagert, Filmemacher- Innen ziehen nach der Ausbildung von hier weg. Dabei ist das Ruhrgebiet spannender denn je. Wer heute hier drehen will, ist mit einem Knotenpunkt konfrontiert, durch den alle Prozesse der Globalisierung laufen und sichtbar werden, ein riesiger Ballungsraum mit außerordentlicher Migrationsgeschichte, postindustrieller Ausstrahlung und Modellhaftigkeit – und mit einer Region, die sich mit dem Slogan „Wandel durch Kultur“ darauf vorbereitet, 2010 europäische Kulturhauptstadt zu sein. Die neue Urbanität ist Quelle der Inspiration, die mediale Fremdwahrnehmung des Ruhrgebiets als „eine unentdeckte Schönheit“ (SZ 17.10.08) löst nach innen Jubel aus. Filme haben endlich die Freiheit, die Geschichte(n) des Ruhrgebiets in anderen Bildern als die der Schwerindustrie zu erzählen und bleiben dabei wichtiges Medium für die Bespiegelung der widersprüchlichen Vielschichtigkeit der Region. Die Filmfestivals der Region sind Garant dafür, diese Filme zu zeigen und zu diskutieren.
Darüber hinaus wird es bald neue Orte geben, insbesondere in Dortmund: an der FH das Master-Studium für angewandten Digitalfilm, im „U Turm“ das Institut für Bewegtbild-Studien und Raum für Medienkunst als Stätten digitaler (Aus)Bildung sowie das 2010 Lab, den Channel der Kulturhauptstadt.
Sind von dort Impulse für Film- und Medienkunst zu erwarten? Bieten diese Orte Raum für ein filmisches Erfassen des Ruhrgebiets, das dem Trend zur universellen Film- und Bildsprache eigene Geschichten, Ausdrucksformen und Experimente gegenüber stellt? Wie stellen sich FilmemacherInnen ein zukünftiges Arbeiten im Ruhrgebiet vor – auch über 2010 hinaus? Wir laden alle, die hier im Ruhrgebiet mit bewegten Bildern arbeiten wollen, zum Gespräch ein.
Vielleicht erhält die Frage, mit der 1979 „Die Abfahrer“ angekündigt wurde, heute ein neues Signal: „Kann mir mal einer sagen, warum ich überhaupt noch hier bin?“
Moderation: Jörg Biesler
Jörg Biesler ist Kunsthistoriker und arbeitet als Journalist und Moderator,
vorwiegend für den WDR
Adolf Winkelmann / Dortmund: Filmregisseur, Filmproduzent und Professor
für Film-Design; Susanne Ackers / Dortmund: geschäftsführende
Leiterin des Hartware MedienKunstVereins; Frank Wierke / Unna: Filmemacher
- 2007 ARTE-Dokumentarfilmpreis für den besten deutschen
Dokumentarfilm; Daniel Burkhardt / Köln: Experimentalfilmer – 2008
Marler Video-Kunst-Preis.
Eine Veranstaltung des Netzwerk Filmkultur NRW,
Projektleitung: Gabi Hinderberger, blicke aus dem ruhrgebiet
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