Vorwort

Wann?
blicke wird 25. Entscheidende Jahre – das Ruhrgebiet hat Abschied von der Schwerindustrie genommen, nächstes Jahr schließt die allerletzte Zeche. Und der Film hat Abschied vom Kino genommen; inzwischen wird an anderen Orten und Medien geschaut. blicke hat diese Prozesse

auf einzigartige Weise begleitet und geprägt, eigensinnig und immer im Fluss – wie das Ruhrgebiet und der Film selbst.

Wer?
blicke kommt aus der Videobewegung und war angetreten, eigene Bilder zu machen: von hier gefochtenen Kämpfen und der Frage, wie wir hier leben wollen. blicke sollte Plattform sein für eigene Filme und die von anderen. Ein Ort, von dem aus geschaut wird, an dem sich Kunst und Alltag mischt. Viele sind eine Wegstrecke mitgegangen, haben mitgearbeitet oder ihre Bilder geteilt. Die Festivalleitung, Gabi Hinderberger und Wolfgang Kriener sind geblieben, mutig und großherzig, offen für Veränderungen ohne die eigene Position zu verlieren. Solidarisch mit den Festivals der Region, kämpferisch und beharrlich.

Was?
blicke beschränkt nicht, sondern öffnet Möglichkeiten. Das Programm wird aus einer riesigen Bandbreite von Formaten, Gattungen und Stilen gebaut, es ist jedes Jahr ein Wagnis. Alles erhält seinen Raum, korrespondiert miteinander, erhellt und kommentiert sich gegenseitig. blicke hebt Kategorien wie ‚Amateurfilm’ aus den Angeln und hat den Mut auch Arbeiten zu zeigen, die gar nicht Werk sein wollen. blicke vertraut auf die Kraft des Kinos und traut seinem Publikum etwas zu. So ist vieles hier: unaufgeblasen wie spektakulär.

Warum?
blicke verbindet, es überschreitet Interessensfelder, Berufs-, Alters- und soziale Gruppen. Bei blicke reden Menschen miteinander und hören sich zu. Es werden Filme diskutiert, über Politisches und Ästhetisches gestritten, Pläne geschmiedet, kritisiert und ermutigt. Nirgendwo anders wird ohne Zugangsbeschränkungen und Jargon so intensiv über Film gesprochen. Nirgendwo anders entfaltet Bewegtbild seine Kraft so wenig angestrengt und eingebildet – so ‚Ruhrgebiet’.

Wohin?
blicke bietet in schlechten Zeiten wie diesen Widerspenstigem Heimat. Es beharrt auf Film als Ausdrucksmittel und als Wahrnehmungsform, die lehrt, die Blickweise des Anderen auszuhalten. blicke behauptet Freiräume, setzt auf Vielfalt und lässt keine einfachen Antworten zu. blicke begleitet diese seltsame Region weiter und lädt alle Dazukommenden ein, hier zu bleiben.

Hilde Hoffmann