Die Hauptpreise wurden gestiftet von den Stadtwerken Bochum, dem Verein Lieblingskino und von blicke.

Erste Preise – je 1.500 EUR - gehen an:

Green Island │ 2017 │ 35´44´´ │ HD │ Doku | DE-Premiere
Yu-Shen Su, Essen
Musik: Chih-Ming Fan

Jährlich werden in China zweitausend Quadratkilometer neuer Stadtraum gebaut, der 40% Prozent der weltweiten Zement- und Stahlproduktion verschlingt. Durch gigantische Hochhaussiedlungen werden Kleinstädte in kürzester Zeit zu Metropolen – so auch Qingdao, dessen endlose Straßenschluchten einer staubigen Geisterstadt gleichen.

Yu-Shen Su, 1979 in Chiayi, Taiwan geboren, studierte zunächst an der Nationaluniversität Taiwan, bevor er 2012 sein Diplom an der Kunsthochschule Köln machte. 2017 schloss er sein Studium an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle als Meisterschüler ab.
Produktion: Eigenmittel

Begründung der Jury:
Bei diesem Film waren wir uns alle sofort einig. Beeindruckt von Bildgestaltung, Motivwahl und Sounddesign ist es als stünden wir in den Straßen dieser Geisterstadt, wo einst viele kleine Dörfer waren. Der Betonwahn in China ist abstoßend und faszinierend zugleich.
Es sind kaum Menschen zu sehen in den Filmset-artigen Kulissen und es scheint unvorstellbar, dass diese leeren Häuser jemals bewohnt sein werden. In übersteigerter Form scheint die Geschichte des Ruhrgebiets in diesem Film durchzuschimmern: Denn auch hier sind mit der Industrialisierung innerhalb kürzester Zeit kleine Dörfer zu großen Städten gemacht worden.
Green Island überzeugt insgesamt durch die Kraft der Bilder und das Zusammenspiel mit der Musik.

Einwurf zwanzig Pfennig │ 2017 │ 11´ │ HD │ Doku
Idee/Regie/Kamera: Johannes Klais und Florian Pawliczek, Dortmund

Kängurus, Elefanten, Raketen. Fast unscheinbar stehen sie vor Kiosken und Apotheken und warten auf ihren immer seltener werdenden Einsatz. Eine Suche nach den letzten Kinderfahrautomaten des Ruhrgebiets und ein Besuch bei ihrem Aufsteller.

Johannes Klais, 1977 in Dortmund geboren, arbeitete nach dem Abitur und einer Ausbildung zum Toningenieur drei Jahre in Köln in der Filmton-Postproduktion. 2003 begann er sein Filmstudium an der FH Dortmund im Fach Kamera. Seit seinem Diplom arbeitet als freier Kameramann und Filmemacher. Florian Pawliczek, 1981 in Herdecke geboren, studierte zwischen 2004 und 2010 Kamera an der FH Dortmund.
Produktion: gefördert von der Film und Medienstiftung NRW

Die Begründung der Jury:
Schon das erste Bild überzeugt durch seine ungewöhnliche Perspektive. Wie lange schon saßen wir nicht mehr hier? Abgeblätterte Farbe, ramponierte Sitze, schäbige Musik. Verlassen stehen sie wie abgestellt in Durchgängen und anderen Unorten. Niemand nimmt Notiz von ihnen. Denn die eigentlichen Kunden sind heutzutage schon mit ein paar Monaten in der Kita. Eine ganz eigenwillige Deutung der wirtschaftlichen Lage des Automatenaufstellers. Die Bilder lassen Raum für eigene Erinnerungen und Ahnungen von der düsteren Zukunft dieser verspielten Zeit.

 

Zweite Preise – je 750 EUR – gehen an:

Der Mann mit dem Fahrrad | 2017 | 15´ | 16mm | Fiktion | Premiere
Idee/Regie: Levan Tsintsadze, Düsseldorf
Kamera/Schnitt: Levan Tsintsadze, Maurice Buttermann
Musik: W. A. Mozart, Gia Khancheli, Kote Kereselidze

Ein Philosoph auf Radwegen: Nachdem er reichlich geerbt und sich geschieden hat, wollte er der schöpferischen Einsamkeit frönen und sein Leben dem Denken widmen. Doch dann wird ihm der Kopf verdreht...

Levan Tsintsadze, 1982 in Georgien geboren, kam 2002 nach Deutschland, um Betriebswirtschaftslehre zu studieren. 2012 schloss er das Regiestudium an der Ruhrakademie Schwerte ab und ist seit 2014 freischaffender Filmemacher.
Produktion: Eigenmittel

Begründung der Jury:
Unser Mann im nächsten Film scheint einer alten Zeit entrückt. In schwarz-weißen Bildern, in der deutschen Bahn sitzend, denkt er nach und wir bekommen einen Einblick in die Gedankenwelt dieses denkenden Menschen. Gerade weil Kadrierung und Offstimme parallel oft andere Geschichten erzählen, formieren sich Bild und Ton zu einem philosophischen Film. Neben Maske und Kostüm ist auch die Inszenierung minimalistisch und das Kleine, das Normale, erscheint Groß.

Kursmeldungen | 2017 | 30´ | HD | Doku
Idee/Regie/Kamera: Rainer Komers, Mülheim a. d. Ruhr
Schnitt: Florian Pawliczek

Ein flötender Zaum, gezähmte Landschaft: Menschen, Tiere, Pflanzen, Apparate bewegen sich, werden bewegt, warten, werden gewartet. Wasser, Feuer, Erde, Wind, die Gestirne. Ein weißer Hund beißt hartes Stroh, die weiße Maschine frisst weiche Kreide. Lotsen kommen und gehen, kreischende Achterbahn, Fuge von Bach, Finger, die ins Wasser schreiben: „We are alone.“

Rainer Komers, in Guben geboren, schloss sein Filmstudium an der Kunstakademie Düsseldorf als Meister-schüler ab und ist als Kameramann tätig.
Produktion: Förderung durch die Filmwerkstatt Kiel und das Bundesministerium für Kultur und Medien

Begründung der Jury:
Ein überzeugendes visuelles Konzept und Sounddesign, mit assoziativen Übergängen vom Adrenalin einer Achterbahnfahrt zu Mövengekreische. Dieser Film nimmt uns mit in nordische Episoden und lässt unsere Gedanken wandern. In stimmungsvollen Bildern gewährt er Einblicke in das Leben, in die Gezeiten am Meer, in die Arbeit auf einem Biohof, die Wartung eines Windrades und in industrielle Abläufe.

 

Den Querdenker-Preis, dotiert mit 600 EUR, gestiftet von Trailer Ruhr, gewann:

Eine Kneipe auf Malle | 2017 | 15´| HD | Essay
Marian Mayland, Bocholt/Hamburg

Ein Kurzfilm über die NPD, über Kodachrome, über die Tendenz des Menschen, Muster im Rauschen zu erkennen. Fragmente über Verschwörungstheorien, über den Zustand der Linken in Deutschland – und darüber, wie einfach sich Ideologien durch die Auswahl scheinbar neutraler Fakten transportieren lassen.

Marian Mayland studierte u.a. BildendeKunst in Deutschland, Schweden, Österreich und in der Schweiz. Für seine Videoarbeiten bekam er zahlreiche Förderpreise.
Produktion: gefördert durch das Atelier Mondial Basel und den Kunstkredit Basel-Stadt

Begründung der Jury:
Wir haben uns für einen Film entschieden, der keine einfachen Antworten auf komplizierte Fragen gibt. Er stellt Fragen und Aussagen fragmentarisch gegeneinander und suggeriert zunächst eine Objektivität durch scheinbar neutrale Fakten und einen monotonen Sprecher. Dazu das Geräusch eines laufenden Projektors, das fast schon hypnotisch wirkt. Drei durchlaufende Super8 Filmrollen, deren Haltbarkeit schon vor dreißig Jahren abgelaufen ist.

Der Film zeigt eine NPD Demo in Essen 2016 mit drei Mal so viel Polizisten wie Teilnehmern: Das wirkt wie eine Analogie, weil auch die Ideologie der NPD wie abgelaufen erscheint. Die letzte der drei Filmrollen zeigt nur noch Muster – Wasserflecken, Fusseln, Laufschrammen. Den Betrachter zwingt das einerseits zur vollen Konzentration auf den Text und lässt andererseits Raum für eigene, aber doch geschickt geleitete Assoziationen.

Diese quergedachte Vermittlung von Information ist ungewöhnlich und hat uns überzeugt.

 

Den Preis action: gender, dotiert mit 500 EUR, gestiftet von der Gleichstellungsstelle der Stadt Bochum, gewann:

Nick | 2017 | 16´ | HD | Doku
Idee/ Regie: Nick Kempf und Julian Pawelzik, Köln
Schnitt/ Kamera: Julian Pawelzik

Als Nick in die Pubertät kommt, weiß er nicht mehr, wer er ist. Die Begegnung mit einer jungen Frau, die sich die Brüste abbindet, verändert sein Leben.

Julian Pawelzik studiert seit 2013 an der KHM Köln mit dem Schwerpunkt Spielfilmregie. Zudem ist er seit 10 Jahren als freier Mitarbeiter im Medienprojekt Wuppertal tätig.
Produktion: Medienprojekt Wuppertal

Begründung der Jury:
Ein Filmemacher hat uns in diesem Jahr dennoch durch seinen Mut beeindruckt. Obwohl er über viele Jahre seines Lebens hinweg die Stereotypen der Geschlechter als gegeben hingenommen hat, spürte er einen Widerstand in sich. Der Film reflektiert den inneren Kampf von Nick gegen seine Angst, anders zu sein und so normal zu werden. Die schonungslose Offenheit, mit der Nick über sich und seine Wandlung von Frau zu Mann erzählt ist berührend. Auch der Film ist Teil seines Reifeprozesses.

Im Übrigen, so das Statement der Jury:
In diesem Jahr war die Auswahl von Filmen, die zum gender-Preis direkt passen, nicht sehr groß und wir möchten an dieser Stelle dazu aufrufen, sich im nächsten Jahr doch ganz gezielt mit dem sehr wichtigen Thema Gender zukunftsgerichtet auseinander zu setzen.

 

Den Publikumspreis, dotiert mit 300 EUR, gestiftet vom Bahnhof Langendreer, gewann:

Im Dschungel der Flüchtlinge | 2017 | 25‘ | HD | Doku*
Sophia Gamboa, Andreas von Hören, Maman Salissou Oumarou, Wuppertal

„Dschungel von Calais“ – schon die Bezeichnung des ehemaligen Flüchtlingslagers an der Nordküste Frank­reichs deutet an, als was dessen notgedrungene Bewohner immer wieder imaginiert werden. Die Dokumenta­tion lässt Menschen zu Wort kommen, die – von Sperranlagen umringt und an der Durchreise nach Großbri­tannien gehindert – in menschenunwürdige Lebensbedingungen gezwungen worden sind.

Sophia Gamboa, 1997 geboren, studiert Mediale Künste an der Kunsthochschule Köln. Andreas von Hören, 1961 geboren, ist Journalist, Dokumentarfilmer und Medienpädagoge. 1992 gründete er das Medienprojekt Wuppertal, Deutschlands größte Nachwuchsfilmeinrichtung und arbeitet dort als Geschäftsführer.
Maman Salissou Oumarou studierte und arbeitete in Niger. 2001 kam er nach Sachsen-Anhalt. 2009 bis 2015 studierte er an der Kunsthochschule Köln. Produktion: Medienprojekt Wuppertal

Green Island
Einwurf 20 Pfennig
Der Mann mit dem Fahrrad
Kursmeldungen
Eine Kneipe auf Malle
Im Dschungel der Flüchtlinge